Erfahrungsberichte

Lesen Sie hier Berichte über Erfahrungen und Erlebnisse, die Menschen mit und ohne Behinderung im täglichen Miteinander gemacht haben.

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Martina S., (24) aus Ahlen:
(...) möchte ich erzählen, was mir da paasiert ist. Ich war auf dem Weg zu meiner Freundin, und da muß ich eine Straße entlanggehen, an der mehrere Geschäfte sind. Auch eine Bushaltestelle gibt es da. Als ich nun dort entlangkam, stieß ich mit meinem Blindenstock gegen die Beine einer Frau, die dort mit einer anderen Frau an der Bushaltestelle stand. Ich hatte vorher gar nicht gemerkt, daß dort jemand stand. Die Frau hat mich dann sofort angeschnauzt, daß ich doch besser aupassen soll und sie meinte, daß es von mir unvrschämt wäre, mit meinem Stock andere Leute zu schlagen. Ich versuchte der Frau zu erklären, daß ich sie ja gar nicht bemerkt habe, daß sie dort stand und ich habe mich auch entschuldigt, aber das hat sie nicht interessiert. Sie meinte, ich würde wohl glauben, daß ich, nur weil ich behindert bin, mir alles erlauben dürfe und alle anderen nur Auf mich Rücksicht nehmen müssen und ich nicht Rücksicht auf andere Leute nehmen muß. Ich weiß nicht, ob die Frauen mich gesehen haben, wie ich auf sie zukam. Aber sie müssen ja meinen Stock gehört haben. Sie hätten dann ja selbst ausweichen können oder sich für mich bemerkbar machen können. Das haben sie aber nicht gemacht. Die andere Frau hat ihr auch noch zugestimmt. Ich bin dann einfach weitergegangen, aber es hat mich doch sehr geärgert, wie die Frauen mich angeschnauzt haben. Das war eine schlimme Erfahrung, aber zum Glück habe ich bisher meistens bessere Erfahrungen gemacht.

Sven M., (32) aus Regensburg:
Ich arbeite in Regensburg als Masseur. Da ich nicht weit von meinem Arbeitsplatz entfernt wohne, kann ich den Weg zu Fuß gehen. Das ist auch überhaupt kein Problem, ich habe dort ein Mobilitätstraining gehabt und kenne den Weg eingentlich sehr gut. Doch vor einigen Monaten wurde dann eine Kreuzung, die ich überqueren muß, erweitert und war daher für Fußgänger natürlich nicht mehr zu passieren. Ich wußte, wie ich die Kreuzung umgehen konnte, zumindest glaubte ich das. Also machte ich mich entsprechend auf den Weg, merkte dann aber bald, daß ich mich verfranzt hatte. Als ich gerade überlegt, ob ich zur kreuzung zurückgehen sollte und es noch einmal versuchen sollte, wurde ich von einem Mann angesprochen, der fragte, ob er mir helfen könne. Ich erklärte ihm, worin mein Problem liege und er bot sich an, mich an der Baustelle vorbeizu führen. Er erzählte mir dann während des Gehens, daß er ebenfalls auf dem Weg zur Arbeit sei. Trotzdem ließ er es sich nicht nehmen, mich bis zu meinem Arbeitsplatz zu bringen und daß, obwohl ich ihm versicherte, daß ich hinter der kreuzung wieder auf sicherem Terrain sei und auch allein sicher ankommen werde. Daher brauche er mich ja nicht den ganzen weg bringen und dann selbst zu spät zu seiner Arbeit zu kommen. Aber er erklärte, daß es ja wohl wichtiger wäre, jemanden zu helfen als pünktlich zu Arbeit zu kommen. Vielleicht dachte der Mann, ich würde weiterhin Schwierigkeiten haben, den richtigen Weg zu finden, aber ich finde, es war trotzdem sehr nett, daß er bereit war, selbst zu spät zu kommen, nur weil er mich bis zur Praxis brachte.