Blinde und Sehbehinderte in der Gesellschaft

Dieser Erfahrungsbericht basiert natürlich auf rein subjektiven Erfahrungen, anders kann es wohl auch nicht sein. Es soll versucht werden, auf die Probleme, denen ein Blinder oder Sehbehinderter in der Gesellschaft immer wieder begegnet, aufmerksam zu machen und entsprechend zu sensibilisieren.

Wie geht die Gesellschaft mit dem Thema Behinderung - hier speziell auf Blindheit oder Sehbehinderung bezogen - um, wie reagieren die Mitmenschen auf die Behinderten? Es gibt keine algemeingültige Antwort. Wie in allen Bereichen des Alltags erfährt man als behinderter Betroffener Hilfsbereitschaft und Verständnis, aber auch Ablehnung und Gleichgültigkeit.

Wenden wir uns dem Großteil der Bevölkerung zu: Probleme treten auf, weil viele Menschen nicht wissen, wie sie mit einem Behinderten umgehen sollen. Welche Hilfe ist angebracht, will der Behinderte überhaupt, daß ihm geholfen wird? Kann ich da etwas falsch machen? Nun, bevor etwas Falsches gemacht wird, wird lieber gar nichts gemacht. Unsicher darüber, was an Hilfe und wie diese gegeben werden soll, wird dieses Problem umgangen: Der Blinde wird erst gar nicht angesprochen, man macht lieber einen Bogen um ihn herum. Unsicherheit und Unwissenheit stehen oft zwischen dem Behinderten und dem Nichtbehinderten, nicht der Unwille. Eine pauschale lösung dafür gibt es nicht, außer der, daß man miteinander reden muß. Der Behinderte muß offen und ohne Hemmungen bereit sein, zu sagen, welche hilfe er braucht und wie ihm am besten geholfen werden kann. Die Mitmenschen müssen auf den Behinderten zugehen und ihn fragen. Viele scheuen sich davor, ihn auf seine Behinderung anzusprechen, sie denken, das Thema wäre tabgu. Das darf es aber nicht sein.

Gleichgültigkeit stellt für viele Behinderte ein weiteres Problem dar. Man kennt das Problem auch aus anderen Bereichen: Menschen schauen tatenlos zu, wie andere bedroht werden, wie Sachen beschädigt werden, Autos fahren an Unfallstellen vorbei, ohne daß jemand anhält. Das läßt sich zum Teil mit mangelnder Zivilcourage erklären, aber auch mit Gleichgültigkeit. Das ist sicher bedauerlich, schadet aber zumindest nicht direkt, was man von der Rücksichtslosigkeit, mit der einige Mitmenschen durch das Leben gehen, nicht behaupten kann. Da wird gedrängelt und geschoben, bis man als Blinder jede Orientierung verliert, auf den Blindenstock getreten oder der Langstock wird einem aus der Hand geschlagen - kann ja einmal passieren, aber dann sollte man dem Blinden den Stock aufheben, und ihn nicht selbst danach suchen lassen. Diese Rücksichtslosigkeit ist nicht nur gegenüber Behinderten auftretend, sie wird wohl gegenüber jeden verübt, aber es wirkt sich bei Behinderten krasser aus.

Dabei sollte jeder sich klarmachen, daß er im grunde schon morgen in der gleichen Situation sein kann: Vor einem Unfall ist niemand sicher und auch nicht vor Krankheiten. Und dann kann man ganz schnell selbst in die Situation kommen, behindert zu sein und wäre froh über jede sinnvolle Hilfe, die man bekommen kann.

Im Schwerbehindertenausweis steht bei Blinden das Merkzeichen Bl. Das zeichen steht für blind, und nicht, wie einige wohl meinen, für blöd. Es gibt erschreckend viele Mitmenschen, die Behindertepauschal unter dem Oberbegriff "geistig behindert" einordnen. Erwachsene werden angesprochen wie ein kleines Kind, nur weil sie blind sind. Geht ein Blinder mit einer sehenden Begleitung einkaufen, wendet sich der Verkäufer an die Begleitung, auch wenn der zu kaufende Artikel für den Behinderten ist und von ihm verlangt wurde. Auch der Behinderte will ernstgenommen werden, er ist in der Regel mündig und kann seine Interessen selbst vertreten. Jeder MENSCH VERDIENT DIE Achtung und den Respekt der Mitmenschen, egal ob behindert oder nicht. Es gibt keien Grund, einen fremden Mitmenschen einfach zu duzen, nur weil er behindert ist, während der nichtbehinderte Mitmensch gesiezt wird.

Beschäftigen wir uns letztlich mit dem Kreis derjenigen, die offenbar eine mangelhafte Erziehung genossen haben oder einfach einen schlechten Charakter haben. Das sind dann Menschen, denen es Spaß macht, Behinderte zu bedrohen, sich ihnen gegenüber als Stärkere aufzuspielen und die die vermeintlich Schwächeren ohne großes eigenes Risiko herumschubsen, sich über sie lustig machen und so ihre Agressionen ausleben oder sich in der Horde profilieren. Solche Menschen gibt es überall und sie stellen kein spezifisches Problem der Behinderten dar, ältere Mitmenschen oder ausländische Mitbürger sind ihnen als Opfer ebenso willkommen. Grund dafür ist nich ein besonderer Haß auf Behinderte oder Ausländer, sondern einfach, daß sie in ihnen einen Schwächeren sehen, der ein leichtes Opfer darstellt.

Schließlich tummeln sich in der Randzone der Gesellschaft die extremen Figuren, die Behinderte diskriminieren und ihnen wohlmöglich auch noch das Daseinsrecht absprechenb. Darauf weiter einzugehen lohnt nun wirklich der Mühe nicht.


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